Bergischer Verein
für Familienkunde e.V.

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Besprechung in "Romerike Berge"

Romerike Berge”, 63. Jahrgang ,
Heft 3/2013, Seite 42-43,
Bergischer Geschichtsverein e. V.


Bergische Bücherschau

Ursula Ernestus: Familienbuch Elberfeld

1648-1769. Hg. Bergischer Verein für Familienkunde Wuppertal, Plaidt 2013. Reihe Dt. OSB/OFB Nr. 00.7451-5, 5 Bände, 3.338 S., ISBN 978-3-86424-104-8, 175,- €. Auch als CD, Reihe Dt. OSB/OFB Nr. 00.7455, 27,- €.

Für stadt-, familien-und personen- geschichtliche Forschungen und viele weitere Recherchen bis zur Medizin- und Migrationsgeschichte kann auf Kirchenbücher als historische Quellen nicht verzichtet werden. Doch manchmal sind die über Jahrhunderte handschriftlich geführten Eintragungen schwer zu lesen. Oft sind sie auch nicht mehr am Ort ihrer Entstehung greifbar, weil sie in zentralen Archiven aufbewahrt werden. Vielfache Benutzung gefährdet manchen Band im materiellen Bestand, so dass sich die Forschung anstelle des Originals mit einer Kopie oder Verfilmung begnügen muss. Da solche und andere Gründe den Umgang mit Kirchenbüchern nicht immer leicht machen, gehören zuverlässige Transkriptionen und Umsetzungen in gedruckte Verzeichnisse zu den bevorzugten Wünschen der Forschung. Solche Arbeit ist entsagungsvoll, zeitintensiv und in des Wortes mehrfacher Bedeutung unbezahlbar. Für den Wuppertaler Raum hat sich Diplom­ Bibliothekarin Ursula Ernestus dieser Aufgabe seit langem gewidmet und ihre bisherige Arbeit jetzt mit dem Familienbuch Elberfeld 1648-1769 gekrönt, wie man ohne Einschränkung sagen muss. Auch schon ihre früheren Familienbücher der Kirchen-gemeinden Barmen-­Gemarke (reformiert, 1702-1809), Wichling-hausen (lutherisch, 1744-1809), Wupperfeld (lutherisch, 1778-1809) und Ronsdorf (reformiert, 1741-1809; katholisch, 1761 -1809; lutherisch, 1789-1809) sind beein- druckende Leistungen. Die hier bearbeiteten Zeiträume enden in der Zeit der französischen Herrschaft, als Standesämter eingerichtet wurden. Eine CD mit dem Inhalt aller acht Bücher ist bei Werner Wicke, 42287 Wuppertal, Laaken 74 erhältlich. Die Buchausgaben selbst sind vergriffen.

Das neue Werk schöpft seinen Vorrat aus Elberfelder Kirchen-büchern des 17. und 18. Jahr­ hunderts. Sie wurden zum Teil seit 150 Jahren für die Forschung herangezogen. Einleitend begründet die Bearbeiterin die Zäsuren 1648 und 1769. Sie zeigt Schwierigkeiten auf, die für die Erarbeitung des Familienbuchs Elberfeld schwerer wiegen als bei den Publikationen über Barmen und Ronsdorf. Sie betreffen auch die Schreibweise von Namen, die noch nicht endgültig festgelegt waren und nicht selten sowohl von der mündlichen Aussprache wie von der Vorbildung oder Freiheit derer abhing, die die Eintragungen in die Kirchenbücher durchführten.

 

Angesichts des einmaligen personen- geschichtlichen Quellenwerts sind verloren gegangene Kirchenbuchauf-zeichnungen für bestimmte Zeitabschnitte, die zu beklagen sind, besondere Verluste. Dass Frau Ernestus die bei Ronsdorf angewendete Methode für Elberfeld fortführt, das Material der drei Kirchengemeinden zu berücksichtigen, war eine gute Entscheidung. Die überragende Bedeutung der evangelisch-reformierten Gemeinde für die frühneuzeitliche Entwicklung Elberfelds, das 1610 Stadt-rechte erhielt und zuvor schon als Freiheit bezeichnet wurde, ist unverkennbar. Hinzutritt, dass sich lutherische und katholische Gemeinde Mitte des 17. Jahrhunderts erst in den Anfangen befanden und von reformierten Gemeinde seit 1584 Kirchenbücher überliefert sind. Die Bearbeitung dieser Kirchenbücher ist jedoch noch zeitraubender und die Genauigkeit der Daten lässt ebenso wie die Schreibweise der Namen noch wünschen übrig.

Als Beispiel für Abweichungen von einem Namen seien die unterschied- lichen Spielarten für die Schreibweise von "Heide" und den davon abgeleiteten Herkunftsnamen "von der Heydt", einem Elberfelder Charakteris- tikum bis heute, aufgefuhrt. Die Bearbeiterin führt folgende Variationen auf: "Heidt, auf der / von der Heidt / auf der Beyden / auf der Heiden / auf der Heydt / auf der Heyd / auf der Heid / auf der Heied / auf der Heide / auf Derheidt / von der Heiden / von der Beyden / von der Heidt / von der Heydt / von der Heyd / von der Heith / vom Heydt / aufm Heydt / aufm Heidt / vom Heidt / van der Heydt / von der Heydt / an der Heidt / an der Heydt / van der Hedt / in der Marpen / aus der Marpe / in der Dißelbeck / auf der Capelien / von der Cappellen / von der Heiden alias von der Cappellen / an der Cappellen / von der Heiden genannt Rincken / Rincke / von der Heid Marpern / Heidt / Heyden / Heydt / Heyd / Heidt / aufm Heidt / an der Heidt / an der Heiden / von der Heith / auf der Heidt".

Dass sich in solchen Fällen Probleme der richtigen Zuordnung häufen, liegt auf der Hand. Es ist darum verständlich, wenn Benutzer der hand-schriftlichen Kirchenbuch- fassungen manchmal geneigt sind, gelinde zu verzweifeln oder gar die Flinte ins Korn zu werfen und aufzugeben. Ursula Ernestus hat nicht nur durchgehalten, sondern, unter- stützt durch ihren Sohn Christopher Ernestus, ein Arbeitsergebnis vorgelegt, für das die Forschung sehr dankbar sein muss. Sollten dem Leser an der einen oder anderen Stelle Zweifel kommen, bleibt immer noch der Griff zum Original. Diesen Schritt empfiehlt die Bearbeiterin selbst.

Klaus Goebel

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