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Westdeutsche Zeitung, 22.10.2021

 
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Freitag, 22.10. 2021


Ursula Ernestus und Carsten Pick wurden als „Verdiente Genealogen“ ausgezeichnet

So werden Kirchenbücher zur
Fundgrube für Familienforscher

Ursula Ernestus

von Katharina Rüth

Zum Bild: Ursula Ernestus arbeitet noch an Verbesserungen am Familienbuch Elberfeld. Foto: Andreas Fischer

Ursula Ernestus hat mehrere Bücher veröffentlicht, die vielen helfen werden. Dabei erhalten sie „nur“ zahlreiche Namen und Daten. Aber weil die studierte Bibliothekarin die Namen in jahrelanger Arbeit alphabetisch geordnet und Familienmitglieder einander zugeordnet hat, sind diese Daten viel leichter zugänglich und helfen Menschen, die Spuren ihrer Ahnen zu verfolgen.

Für ihre Arbeit an den Familienbüchern von Wuppertaler Kirchengemeinden wurde die 88-Jährige jetzt als „Verdiente Genealogin“ ausgezeichnet.

Und ihr Kollege Carsten Pick erhielt die gleiche Auszeichnung für seine Aufarbeitung der Kirchen-bücher in Remscheid.

Beide haben selbst nach Vorfahren ihrer Familien gesucht, dabei viel in Kirchenbüchern geblättert, den wichtigsten Quellen vor Einführung der Standesämter. In Kirchenbürchern wurden Hochzeiten, Taufen und Todesfälle meist chronologisch hintereinander eingetragen.

Wenn man kein Datum kennt, kann man nur die langen Listen durchforsten, um einen bekannten Namen zu finden. Eine zusätzliche Mühe bedeuten die oft schwer leserlichen Handschriften.

Kirchenbücher auf CD „gehen weg wie geschnitten Brot“

Um das zu ändern, nehmen viele Ehrenamtler die Arbeit auf sich, die Daten von Kirchenbüchern zu erfassen, zu ordnen und als „Familienbücher“ zu veröffentlichen. Denn dabei werden Eheleute einander und Kinder ihren Eltern zugeordnet – so sind  Verwandtschaftsbeziehungen und Generationenabfolgen nachvollziehbar. Heute ist das Endprodukt eine CD, die der Computer durchsuchen kann.

Diese CDs verkauft etwa der Bergische Verein für Familienkunde, in dem Ursula Ernestus und Carsten Pick Mitglied sind, an Vereinsmitglieder. „Die gehen weg wie geschnitten Brot“, sagt der Vorsitzende Hans-Friedrich Kartenbender. Er findet die Leistung der beiden „ganz enorm“. Denn er weiß: „In Kirchenbüchern suchen Sie sich tot.“ Kartenbender hat die beiden der Deutschen Arbeitsgemeinschaft genealogischer Verbände für die Auszeichnung vorgeschlagen.

In Vereinen für Familienforschung treffen sich Menschen, die ihrer Familiengeschichte nachgehen wollen, sie holen sich Tipps und tauschen sich aus – auch wenn jeder seine eigenen Vorfahren erforsche. Kartenbender erklärt: „Interessant wird Familiengeschichte, wenn man sie mit der Zeitgeschichte in Verbindung bringt.“ Deshalb laden sie auch zu Vorträgen, zuletzt etwa über Menschen im Bergischen Land, die die napoleonischen Soldaten vertrieben – und dafür Dankestafeln in den Kirchen erhielten.

Ursula Ernestus kam durch die Fragen ihres damals zehnjährigen Sohnes dazu, sich mit der Geschichte der Familie Ernestus zu beschäftigen. Der Junge fragte nach den Großeltern und Urgroßeltern. „Das Seltsame war, dass der Name in Wuppertal sehr häufig, der Urgroßvater sogar hier geboren war“, erzählt Ursula Ernestus. Die Familie war gerade erst an die Wupper gezogen, weil ihr Mann Horst Ernestus Direktor der Stadtbibliothek wurde.

Auch nüchterne Daten erzählen Geschichten

Horst Ernestus, in Berlin aufgewachsen, wusste nur von Vorfahren aus Potsdam. Aber dorthin hatte es nur einen der Vorfahren verschlagen, der aus dem Wuppertal stammte. Ursula Ernestus und ihr Sohn sahen Kirchenbücher durch, waren im Landesarchiv und ließen sich vom Bergischen Verein für Familienforschung helfen. Bis 1535 hat Christopher Ernestus die Geschichte zurückverfolgt, dazu ein Buch veröffentlicht.

„Und ich habe mir vorgenommen, die Kirchenbücher der Gemeinden aufzuarbeiten“, erzählt Ursula Ernestus. Sie begann mit dem Kirchenbuch der evangelisch-reformierten Gemeinde Barmen-Gemarke, es folgten Wupperfeld, Wichlinghausen und Ronsdorf, dann sämtliche Kirchenbücher von Elberfeld. Viele Stunden saß sie dafür an ihrem Schreibtisch. Die alten Schriften zu lesen, „ist einfach Übung“, sagt sie. Kniffelig sei, wenn die Namen anders geschrieben werden. Oder sich ändern, weil die Leute sich nach dem Hof nennen, auf dem sie leben. „Da gibt’s ganz komische Sachen.“ Und manchmal erzählen auch die nüchternen Daten Geschichten – wenn etwa in kurzer Zeit viele Kinder einer Familie sterben. Ihr Mann hat ihre Arbeit bestaunt: „Ich hätte das nicht gekonnt.“ Aber Ursula Ernestus sagt: „Ich habe einfach Spaß daran, so etwas zusammenzustellen und Listen zu machen.“

Carsten Picks Vorfahren lebten in Remscheid, deshalb hat er die Remscheider Kirchenbücher aufgearbeitet. „So habe ich einige Dinge gefunden, die sich sonst nicht gefunden hätten.“ Er konnte unter anderem auflösen, wie die unterschiedlichen Familiennamen Clausen, Blombach und Fuhrmann zusammenhängen: Clausen und Blombach waren Höfe, nach denen sich seine Vorfahren nannten, Fuhrmann der Beruf eines Ahnen, der sich später Blombach nannte. „Das ist wirklich Puzzlearbeit“, sagt Carsten Pick.

Er findet, dass Familienbücher nur Hilfsmittel sind: „Wer richtig forschen will, sollte sich die Originale ansehen.“ Aus kleinen Anmerkungen könne man zusätzliche Schlüsse ziehen. In einem Kirchenbuch in Lennep habe er bei den Todesdaten ganze Lebensgeschichten gefunden. Die Arbeit an den Familienbüchern hat er abgeschlossen, aber die Forschung nach der Familie nicht – „damit schließt man nie ab“.

Verein

Der Bergische Verein für Familienforschung hat aktuell 134 Mitglieder. Der Vorsitzende Hans-Friedrich Kartenbender hat während der Coronazeit besonders viele Anfragen erhalten: „Die Leute hatten Zeit und haben sich mit der Familiengeschichte beschäftigt.“ 
www.bvff.de


Text: Katharina Rüth, Foto: Andreas Fischer

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