Bergischer Verein
für Familienkunde e.V.

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Wuppertaler Nachrichten 11.01.2006

 

Wuppertaler Nachrichten

 

WZ Mittwoch, 11. Januar 2006

 
 
 

Wer bin ich? Den Ahnen auf der Spur

 

Der Bergische Verein für Familienkunde ist die Heimstatt privater Familienforscher.
Stück für Stück versuchen sie, die Geschichte ihrer Vorfahren zu ergründen.

 

Von Nele Cent

    Der Urahn als König, man selbst in Wahrheit Prinz oder Prinzessin? Wer hat nicht schon einmal davon geträumt, möglicherweise blauen Blutes zu sein, ohne es zu wissen? Von Aschenputtel bis zu Hollywood-Produktionen wie „Plötzlich Prinzessin“ - die Menschen mögen es, solche Geschichten zu hören. Noch besser, wenn sie dabei selbst betroffen sind.
     Der Bergische Verein für Familienkunde mit Sitz in Wuppertal sucht zwar nicht explizit nach Adeligen, aber seine Mitglieder beschäftigen sich mit der  Familiengeschichte. Auf der Suche nach den Ahnen durchforsten sie die Zeugnisse vergange- ner Jahrhunderte und bemühen sich, immer mehr Lücken in der persönlichen Vergangenheit zu  schließen.

 
 

Geduld und
Spaß am Puzzeln

 
 
 

   „Wir machen keine Auftragsarbeit, geben aber Hilfestellung, wenn sich jemand für Ahnenforschung  interessiert“, sagt Lutz von Scheidt, seit 2002 Vorsitzender des Vereins. Seine ersten Versuche, durch Befragungen der Verwandtschaft mehr über seine Vorfahren herauszubekommen „Eigentlich war das zu diesem Zeitpunkt schon viel zu spät“ -, hat er in den 80er Jahren unternommen. Seitdem hat ihn das Thema nicht mehr losgelassen. Mit dem Eintritt in den Ruhestand vor fünf  Jahren wurde das Hobby des 65-Jährigen dann zur Passion. Von Scheidt: „Der Verein ist sozusagen ein Sprungbrett, um Erfahrungen zu sammeln.“ Seit 1956 wohnen die von Scheidts in Wuppertal. Ursprünglich kommt die Familie aus Hettstedt in Mitteldeutschland, aber auch im Bergischen Land sei der Name des öfteren zu finden. Für die Suche nach den eigenen Ahnen muss man laut  Scheidt vor allem eines mitbringen: Geduld. Manchmal finde sich nach mühseliger und zeitraubender Arbeit nur ein kleines Puzzleteil, das einen nur wenig weiter bringe. Oft bleibe die Suche  auch ergebnislos oder führe in die falsche Richtung.
    „Es hat leider nicht jeder das Glück, dass die Vorfahren einen Altar oder eine Kirche gestiftet haben“, sagt der Familienforscher. Dies wäre nämlich in den Kirchenbüchern vermerkt. Von Scheidt selbst hatte aber glück- licherweise ein paar recht schreibwütige Vorfahren. So kam er an Kopien einer Art Tagebuch eines Ahnen, der als preußischer Leutnant die schlesischen Kriege (1740-1763) durchlebte. Aus alten Ratslisten des 14. Jahrhunderts weiß der Wupper-

 

Geschichte pur - Fotomontage Andreas Fischer

 

Geschichte pur: Das Wühlen in alten Stammbäumen und Büchern gehört zur Ahnenforschung dazu. Für Beiratsvorsitzen den Harald Ibach,  Schriftführer Gerhard Birker, Vorsitzenden Lutz von Scheidt und Bücherwart Werner Wicke (v. l.) aber nicht ohne gebührenden Respekt vor den alten Dokumenten.  Foto-Montage: . Andreas Fischer

 

taler zudem, dass einige Vorfahren Mitglieder des Erfurter Stadtrates waren.

    Ob sein „von“ im Namen ein Hinweis auf Adeligkeit ist, versucht der Familienforscher noch heraus- zubekommen. „Es kann auch einfach eine Herkunftsbezeichnung sein“, so der Wichlinghauser. Es gebe da meh- rere Theorien. Eine wäre, Scheidt auf „Wasserscheide“ zurückzuführen, ein Landstück zwischen zwei Flüssen. Auf ein eigenes Wappen seiner Fami- lie ist der ehemalige Chemie-Laborant aber bereits gestoßen. Es zeigt ein Herz, durchstoßen von einem Pfeil und darüber einen springenden Stein- bock. Als Siegelring - ein altes Famli- enerbstück - trägt von Scheidt das Wappen immer bei sich.

    Zu den häufigsten Problemen der Familienforschung gehört laut von Scheidt das Entziffern der Quellen. Denn hat man endlich ein Dokument gefunden, das einem mehr über die Herkunft eines Ahnen verrät, heißt das noch lange nicht, dass man die alten Handschriften auch vernünftig lesen kann.

 

Alte Handschriften,
viele auf Latein verfasst

 
 
 

 Vieles ist auch in anderen Sprachen verfasst, meistens auf Latein. Liegt  so ein Fall vor, so können Tage damit vergehen, die Dokumente zu übersetzen. „Manchmal nehme ich dann auch im Urlaub die Lupe zur Hand und knobele weiter“, erzählt er.

    Ein weiteres Problem: Stößt man auf Menschen mit dem gleichen Nachnamen, müssen sie noch nicht mit einem verwandt sein. „Das muss man dann mit anderen Quellen abglei- chen“, so von Scheidt.

    Frau und Kinder haben sich längst an das zeitintensive Hobby des Familienvaters gewöhnt und manchmal öffnet es auch ihnen neue Türen zur Vergangenheit. Von Scheidt: „Letztens habe ich meiner Frau eine Überraschung bereitet, indem ich Verwandte von ihr gefunden habe, von denen sie nichts wusste. Das Besondere: Bei deren Besuch schlossen sich direkt mehrere Lücken im Stammbaum auf einmal.“


   Der Verein
 

(nec). Der Bergische Verein für Familienkunde existiert seit 25 Jahren. Er hat 120 Mitglieder. Die meisten von ihnen kommen aus dem  Bergischen Land, einige aber auch aus dem Ausland, etwa aus der Schweiz oder Australien.

Hauptziel des Vereins ist es, Daten zu sammeln, aufzubereiten und somit für die Nachwelt zu retten. In diesem Sinne werden auch  einzelne Projekte - jüngst die Erfassung des Lüttring- hauser Kirchenfamilienbuches - gefördert.

Treffen ist am jeden zweiten Dienstag im Monat um 19.30 Uhr bei der Evangelischen Kirchengemeinde, Meckelstraße 52, in Barmen.  Geschäftsstelle: Gennebrecker Straße 91 in Wichlinghausen, Telefon 522351 oder im Internet unter: www.bvff.de


 Fünf Schritte bei der Ahnensuche
 

 (nec). Wer mehr über seine Familiengeschichte herausbekommen will, kann bei verschiedenen  Quellen fündig werden. Tipp: von innen nach außen sowie von der Gegenwart in die Vergangenheit vorgehen. Lutz von Scheidts Rat für angehende Familienforscher: Immer nach Originalen suchen und der  Literatur nicht alles glauben, ohne die Information nicht mindestens einmal von einer anderen Seite gegengecheckt zu haben.

 1. Schritt: Familienbefragung. Am besten beginnt man die Suche nach den Ahnen bei den eigenen Eltern und Großeltern. Das ist der ein- fachste und schnellste Weg, einen Stammbaum zu erschließen und eini- ge Namen sowie Geburts-, Heirats- und Todesdaten zu erfahren. Weitere Quelle: das Stammbuch der Familie.
 

 2. Schritt: Kirchenbücher und Standesämter. Früher wurden in Kirchenbüchern der Gemeinden beider Konfessionen wichtige  Daten, von der Geburt über die Taufe bis zum Tod verzeichnet. Das betrifft etwa den Zeitraum 15. bis 19. Jahrhundert.

Kopien von Kirchenbüchern aus NRW sind im Nordrhein-West- fälischen Personenstandsarchiv Rheinland mit Sitz in Brühl zu finden.  Meistens finden sich die Kirchen- bücher aber auch noch in den Pfarreien. Für die spätere Zeit sind die Daten beim Standesamt zu erfragen. Die Zivilstandregister, das heißt die Geburts-, Heirats- und  Sterbeurkunden, für das Stadtgebiet des heutigen Wuppertals werden im Standesamt Barmen aufbewahrt. Problem: Für die jüngere Ver- gangenheit greift der Datenschutz und die Auskunft ist unter Um- ständen  schwierig.
 

 3. Schritt: Mormonen. Die Religionsgemeinschaft der Mormo- nen ist bekannt für ihre ausführliche Sammlung von  Familiendaten. Sie liegt in der religiösen Lehre be- gründet, nachdem auch die Vorfahren in den Genuss zum Beispiel der Taufe kommen sollen, um Erlösung zu erfahren. Dafür ist der Name der Toten  besonders wichtig. Im Zuge der genealogischen Suche wurden so automatisch auch viele Daten von Nicht-Mormonen zusammengetragen.

Eine Bitte um Einsicht kann sich lohnen. Die nächste genealogische Forschungsstelle der Mormonen befindet sich in Barmen an der  Martin-Luther-Straße 6.

 4. Schritt: Andere Quellen können sein: Wissenschaftliche Bear- beitungen von Familiengeschichten, historische Abhandlungen, alte Fotografien, Tagebücher und vieles mehr. Auch in Stadtarchiven kann man eventuell fündig werden.
 

 5. Schritt: Internetsuche. Seit es das Internet gibt, ist die internationale Suche für Ahnenforscher stark vereinfacht  worden. Auf themenbezogenen Seiten gibt es oft die Möglichkeit, sich in Mailing- Listen einzutragen, um den welt- weiten Austausch zu ermöglichen. Auch ist der Klick auf Web-Seiten genealogischer  Gesellschaften oder Vereine eine gute Möglichkeit zur weiteren Orientierung. Links zum Thema gibt es unter anderem auch auf der Internetseite der Stadt unter der Rubrik Kultur und Bildung: www.wuppertal.de

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