WZ Erkrath 03.03.2006

 

  Erkrath

 

WZ Freitag, 3. März 2006

 
 
 

Spurensuche im Ahnenstübchen

 

Oskar Rahmann betreibt seit über 40 Jahren Ahnenforschung.
Der 85-Jährige ist in die Geschichte seiner Familie eingetaucht.

 
 

Oskar Rahmann vor der Ahnengalerie

 

Oskar Rahmann vor der "Ahnengalerie" in seinem Arbeitszimmer. Foto: Dirk Thomé

 

Von Melanie Müllenborn

Erkrath. “Kommen Sie, ich zeig Ihnen mein Ahnenstübchen." Mit diesen Worten  auf den Lippen geht Oskar Rahmann voran. Zuerst die Treppe rauf, ins erste Obergeschoss seines Häuschen am Amselweg. Dann links, in einen kleinen Raum mit Dachschräge. In dem ist es urge- mütlich. Dafür  sorgt die Einrichtung. Und ein festes Ticken, des die paar Quadratmeter erfüllt.
     Das Pendel einer alten Wanduhr schwingt schwer hin und her. Licht fällt durchs Fenster direkt auf  einen kleinen, antiken Sekretär. Und in den Regalen stehen Bücher: ein Lateinlexikon, etwas über das bäuerliche Leben im Münsterland, Abhandlungen über die Frühindustrialisierung.

 

Bilder aus den Anfängen
der Fotografie

 
 
 

"Mein Reich", sagt Rahmann. Und warum er diesen Raum "Ahnenstübchen" nennt, ist eigentlich sofort klar. An der Wand  hängen fast 40 Bilder Fotos aus alten und uralten Zeiten. "Meine Vorfahren", deutet Rahmann auf die Reihen. "Die Bilder unten zeigen uns, meine Familie, meine Kinder." Die Bilder oben stammen aus  den Anfängen der Fotografie. "Mein Ur-Großvater", so Rahmann. "Ich habe sie aufgehängt, wie einen Stammbaum."
     Seit über 40 Jahren geht Oskar Rahmann einem besonderen Hobby  nach. Der 85-Jährige hat sich der Ahnenforschung verschrieben. Woher komme ich? Woher kommt meine Familie? Wie haben meine Vorfahren gelebt? Das sind die Fragen, die den Erkrather antreiben. Und nach vier  Jahrzehnten Spuren- suche sind dabei ansehnliche Ergebnisse herum gekommen.
    "Alles fing an, als mein Vater mir immer wieder von alten Zeiten erzählte", so Rahmann. Seine Familie hat ihre Wurzeln nicht im Rheinland. Vater und Großvater sind viel herumgekommen. Mal verschlug es sie nach Hamm, mal nach Höxter oder nach Kassel. "Ich habe immer mal

 

gefragt: ,Woher kommen wir denn ursprünglich?` Doch darauf wusste keiner eine Antwort. Nur eines war klar: "Der Großvater kommt  irgendwie aus Münster", war der Satz, den Rahmann mit auf den Weg bekam. "Irgendwann habe ich beschlossen, die Wurzeln der Familie zu suchen." Doch dieses Vorhaben umzusetzen, stellte sich  als gar nicht so einfach heraus. Bereits vor dem Zweiten Weltkrieg unternahm Rahmann erste Recherche-Versuche. Doch ernst wurde es erst in den 60ern.

 
 

Die Familie bis ins
16. Jahrhundert erforscht

 
 
 

Rahmann lernte: Kirchenbücher, Stadt- und Staatsarchive, Bistumsakten und private Samm- lungen könnten ihm bei der Spu- rensuche  helfen. Heute hat er die Geschichte der Familie bis ins 16. Jahrhundert zurückverfolgt. Und wohl kaum ein Ahnenforscher kann von sich sagen, dass er so professionell arbeitet. Rahmann ist förmlich  eingetaucht in die Geschichte. So fand er nicht nur heraus, dass seine Familie von einem Bauernhof bei Warendorf stammt. Er lernte auch, wie seine Ahnen jeweils gelebt haben.

 

   "Das ganze Geheimnis ist, dass ich mich mit Namen, Geburtsoder Todesdaten nie zufrieden gegeben habe",  sagt Rahmann und deutet auf sein Bücherregal. "Ich habe auch immer viel über die jeweiligen Epochen angelesen." In vier Büchern, die er auf eigene Kosten hat drucken lassen, hat er alles  niedergeschrieben. Darunter finden sich auch Informationen über die Familie seiner Frau. "Das war ja noch viel interessanter. Denn da gab es nicht wie bei mir rein bäuerliche Vorfahren. Diese  Familie stammt aus dem Bergischen Land. Und die haben plötzlich Hammerwerke und Schleifkotten."
     Der 13. Generation seiner Familie gehört Rahmann an. "Und die 16. ist  schon geboren", sagt er in Anspielung auf seine Urenkel. Die 15. Generation hat er indessen mit seinem Forschungsdrang angesteckt. "Die Schwiegerkinder überlegen auch, ihre Familien zu  erforschen." Die werden da natürlich die Unterstützung der elektronischen Datenverarbeitung nutzen können. "Das ist aber nichts mehr für mich", sagt Rahmann. Lieber arbeitet er mit  Schreibmaschine und Füllfederhalter. Unermüdlich. In seinem "Ahnenstübchen".

 

Stichwort Ahnenforschung

 
 

Was ist Ahnenforschung?
Wer seine Famile erforscht,  versucht die verwandtschaftlichen Zusam- menhänge aufzuhellen und in die Geschichte einzurodnen, betreibt Familien- / Ahnenforschung (Genealogie).

Wer kann Ahnenforschung betreiben?
Familien- und  Ahnenforschung kann jeder als Hobby betreiben. Es erfordert ein bisschen Einarbeitung. ´Meist muss mit handge- schriebenen alten Akten gearbeitet werden. Lateinkenntnisse sind von Vorteil. Doch mit ein  bisschen Übung kann das jeder.

Wie betreibt man Familienkunde?
Man beginnt damit,  die Geburts-, Tauf, Heirats- und Todesdaten der Eltern zu untersuchen. Die stehen im Familienstammbuch. Es hilft auch, ältere Verwandte zu befragen und Einsicht in deren Stammbücher zu nehmen. Akten in  Kirchen-, Staats- und Stadtarchiven bringen Licht ins Dunkel familiärer Bande und Vergangenheit..

Wo kann ich mich informieren?
Der Bergische Verein  für Familienkunde bietet monatliche Vereinstreffen, Mitglieder geben Hilfestellung. Vorsitzender ist Lutz von Scheidt (†).

Infos gibt es auch unter
www.bvff.de

 
 
 

Anm: Herr Rahmann ist im September 2006, Herr Lutz von Scheidt im Mai 2017 verstorben.