Bergischer Verein
für Familienkunde e.V.

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Leipziger Volkszeitung 29.06.2007

 
 
 

Leipziger Volkszeitung

 

Freitag, 29. Jun. 2007


 

Hobby
Ahnenforschung
immer beliebter

 
 
 

Wuppertal. Solange er das Geheimnis des Familienwappens nicht gelöst hat, macht Lutz von Scheidt weiter. Schon als Kind fragte sich der 67jährige Wuppertaler, was hinter dem springenden Pferd. und dem von einem Pfeil durchbohrten, Herz steckt. „Um das Wappen auf unserem Siegelring ranken sich viele Geschichten“, erzählt er. „Doch den Ritter, der während des Ersten Kreuzzugs mit seinem Pferd über eine Mauer springt und sich dabei verletzt, habe ich noch nicht gefunden.“ Die Suche nach seinen Familienwurzeln beschäftigt den Rentner schon seit über dreißig Jahren. Unzählige Archive bat er besucht. Urkunden gesichtet, Kirchenbücher gewälzt. Bis 1594 kann er seine Familie zurückverfolgen, dem Geburtsdatum des Erfurter Waid- und Saflor-Händlers Hieronymus Scheidt. „Als ich ein Bild meines Spitzenahnen mit unserem Familienwappen in einem alten Buch fand, wusste ich, die Mühe hat sich gelohnt.“

150 000 Deutsche forschen

Ein Glücksfall. auf den viele Familienforscher hoffen. Seit sie im Internet viele Daten und Informationen. Lexika und genealogische Ortsverzeichnisse finden und mit anderen Forschern Kontakt aufnehmen können, begeistern sich in Deutschland immer mehr Menschen für ein Hobby, das früher eher als "Alt-Herren-Beschäftigung" galt. Etwa 150.000 Bundesbürger fahnden mittlerweile nach ihren Ahnen. Rund 30.000 von ihnen treffen sich in den deutschlandweit knapp 100 Vereinen. die sich mit Familienkunde beschäftigen. „Wer mit diesem Hobby anfängt. landet meistens irgendwann in einem Verein“, beobachtet von Scheidt, der mittlerweile selbst Vorsitzender des Bergischen Vereins für Familienkunde in Wuppertal ist. „Alleine für das Lesen alter Urkunden braucht man Unterstützung.“

 

Jede Woche erhalte er als Vorsitzender mindestens drei E-Mails, in denen deutsche, aber auch amerikanische oder andere europäische Forscher um Tipps bitten. „Unser Hobby ist international“, meint Angela Halbach. In dreißig Jahren Ahnenforschung hat die 56jährige Wuppertalerin 65.000 Personen in ganz Europa und den USA aufgespürt. Anders als in Deutschland ist Familienforschung in den USA nach Gartenarbeit das beliebteste Hobby. Weil etwa jeder vierte US-Bürger von deutschsprachigen Einwanderern abstammt. führen viele Spuren in die Bundesrepublik. Seit sie im Internet auf so viele Verwandte stieß, organisiert Halbach alle zwei Jahre internationale Treffen. „Wir haben es sogar geschafft, zwei Brüder zusammenzuführen. die nicht wussten, dass sie verwandt sind.“

Im Stammbaum Henker gefunden

Solche Erfolgserlebnisse kennen allerdings die wenigsten Forscher. Glücklich darf sich schätzen, wer wie Lutz von Scheidt oder Angela Halbach auf gebildete Ahnen stößt. die selbst Schriftliches hinterlassen konnten. „Ich habe immer gehofft, mal einen Brief, eine Urkunde oder ein Wappen zu finden“, erzählt Heidi Eidmann. „Aber meine Vorfahren waren einfache Bauern.“ Dennoch lässt die Familienforschung die 36jährige Computerspezialistin nicht los. „Wenn man einmal begonnen hat, die eigenen Wurzeln aufzuspüren, sucht man automatisch immer weiter.“ Zum Beispiel nach einem Richter, der Eide schwören ließ und damit Familie Eidmann ihren Namen gegeben haben könnte. Die Familienforscherin hat ihn noch nicht gefunden.
Angela Halbach dagegen stieß in ihrem Stammbaum auf einen Richter, doch darauf ist sie nicht stolz. Dieser Mann war ein Henker, ein so genannter Scharfrichter. Und auch Lutz von Scheidt musste die Entdeckung machen, dass sein Vorfahr Hieronymus gar nicht so fein war, wie er tat. „Um 1649 hatte er vom Erfurter Rat den Auftrag erhalten beim schwedischen König Schulden in Höhe von 400 Golddukaten einzutreiben“ erzählt von Scheidt. „Den Auftrag hat er erfüllt, aber das Geld danach mit dem Erfurter Rat verprasst.“

Sabine Damaschke. epd

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